Folge 23 - Was bedeutet Vertrauen - und vertraue ich meinem Hund wirklich
Shownotes
Quellen: Bowlby, John: Attachment and Loss; Bradshaw, John: Dog Sense; Gácsi, Márta et al.: Studien zur Mensch-Hund-Bindung; Horowitz, Alexandra: Inside of a Dog; Miklósi, Ádám: Dog Behaviour, Evolution, and Cognition; Panksepp, Jaak: Affective Neuroscience; Range, Friederike & Virányi, Zsófia: Forschung zur sozialen Kognition bei Hunden; Sapolsky, Robert: Why Zebras Don’t Get Ulcers; Schöning, Barbara: Verhaltensbiologie beim Hund; Topál, József et al.: Bindungsstudien Mensch–Hund; Zimen, Erik: Der Hund – Abstammung, Verhalten, Mensch und Hund.
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00:00:04: Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von Vorlucky Paws Inside.
00:00:29: Was bedeutet Vertrauen?
00:00:31: Und vertraue ich meinem Hund wirklich?
00:00:35: Heute soll es um eines der meistverwendeten Wörter im Hundetraining gehen, und gleichzeitig um eines am wenigsten hinterfragten und zwar um das Wort Vertrauen.
00:00:48: Fast jeder sagt irgendwann, mein Hund vertraut mir oder ich vertraue meinem Hund.
00:00:55: aber ist es wirklich so?
00:00:57: Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes was wir da fühlen Gewohnheit Kontrolle Routine oder einfach die Hoffnung dass schon alles gut geht?
00:01:10: in dieser Podcast Folge wollen wir gemeinsam tiefer hinschauen Nicht oberflächlich, nicht beschönigt sondern einfach ehrlich.
00:01:21: Und ich lade euch ein während ihr zuhört nicht nur theoretisch mitzudenken sondern euch selbst und euren Hund und eure Beziehung zu eurem Hund zu hinterfragen.
00:01:33: Wir schauen uns drei ganz zentrale Fragen an und zwar wo vertraue ich meinem Hund nicht?
00:01:40: Und warum?
00:01:41: Wo vertraut mein Hund mir nicht?
00:01:45: Und die große Frage, kann Vertrauen überhaupt ohne Kontrolle existieren?
00:01:51: Aber lasst uns erst einmal ganz vorne anfangen.
00:02:01: Was bedeutet Vertrauen eigentlich?
00:02:03: Vertrauen ist ja nicht einfach ein Gefühl sondern es ist auch keine Entscheidung im Sinne von.
00:02:11: ich entscheide mich jetzt zu vertrauen.
00:02:15: Vertrauen is etwas was im Laufe der Zeit entsteht.
00:02:18: das entsteht aus Erfahrungen Aus Wiederholungen, aus Sicherheit und vor allem auch aus einer gewissen Vorhersagbarkeit.
00:02:30: Und Vertrauen bedeutet ich gehe davon aus dass mein Gegenüber sich so verhält das ich mich nicht schützen muss.
00:02:38: Und genau an dem Punkt wird es spannend denn auf den Hund übertragen bedeutet daß dein Hund dir vertraut wenn er davon ausgeht dass von dir keine Gefahr ausgeht.
00:02:52: Und du vertraust deinem Hund, wenn du davon ausgehst, dass er sich in Situationen angemessen verhalten wird und von ihm keine Gefahre ausgeht.
00:03:03: Aber das ist kein Zustand der immer gleich ist.
00:03:07: Vertrauen ist nichts Stabiles.
00:03:10: Vertrauen is situationsabhängig.
00:03:13: Du kannst deinem Hund zu Hause zum Beispiel vollkommen vertrauen und draußen im Wald plötzlich nicht mehr.
00:03:21: Man kann seinem Hund im Alltag vertrauen, aber nicht wenn das Reh vor einem auftaucht.
00:03:27: Das bedeutet Vertrauen ist am Ende kein Gesamtpaket sondern es ist eine Summe aus vielen kleinen Momenten Und der Hund vertraut den Menschen.
00:03:42: sobald der Mensch für ihn nachvollziehbar handelt er kann Einschätzen, was passiert.
00:03:48: Das Ganze ist zuverlässig.
00:03:51: Es folgen immer die gleichen Handlungen.
00:03:56: Der Mensch ist für den Hund einschätzbar und es geht keine Gefahr von ihm aus.
00:04:00: Und der Hund kann vertrauen.
00:04:02: Genauso ist es andersrum.
00:04:10: Wo vertraue ich meinem Hund eigentlich nicht?
00:04:13: Und warum vertraube ich dort nicht?
00:04:17: Jetzt wird das ein bisschen ehrlich!
00:04:20: Ich möchte, dass du dir innerlich eine Frage stellst.
00:04:24: Und zwar stelle dir einmal die Frage wo vertraue ich meinem Hund nicht?
00:04:35: Vielleicht fällt dir sofort etwas ein.
00:04:37: vielleicht fallen auch mehrere Dinge an der Rückrufbegegnung mit anderen Hunden bestimmte Umweltreize im Freilauf und vielleicht fallen ja andere Situationen ein.
00:04:55: Und dann kommt eine viel wichtigere Frage.
00:04:59: Nämlich, warum vertraust du deinem Hund in genau diesen Situationen nicht?
00:05:06: Wenn du dir diese Warumfrage mal durch den Kopf gehen lässt, dann gibt es im Grunde drei typische Antworten.
00:05:14: Der erste Grund könnte sein dass du's nicht weißt.
00:05:17: Vielleicht hast du keine Erfahrung in diesen Situation mit deinem Hund gemacht.
00:05:22: Du weißt schlicht nicht wie dein Hund reagieren würde.
00:05:26: Und wir Menschen sind in einem Punkt oft ähnlich und zwar mag unser Gehirn keine Unsicherheit.
00:05:37: Also ersetzt das Gehirnen die Unsicherkeit durch Kontrolle, und das ist erst mal total normal.
00:05:45: Ein anderer Grund warum du deinem Hund dort nicht vertraust kann sein dass du es erlebt hast.
00:05:51: Vielleicht gab es Situationen im Zusammenleben mit deinem hund Die nicht gut liefen.
00:05:58: Dein Hund war nicht abrufbar, er hat impulsiv reagiert.
00:06:02: Er hat anders reagiert als du es dir vielleicht gewünscht hast Und dein Gehirn hat abgespeichert.
00:06:08: Achtung Hier ist ein Risiko Unsicherheit und genau ab da entsteht kein Vertrauen mehr sondern Vorsicht.
00:06:18: Grund drei könnte sein Kontrolle ersetzt vertrauen.
00:06:23: Jetzt kommt der ehrlichste Punkt.
00:06:25: Manchmal glauben wir, wir vertrauen unserem Hund aber in Wirklichkeit kontrollieren wir ihn einfach sehr gut.
00:06:33: Vielleicht mit einer Schleppblane vielleicht mit strenger und enger Führung vielleicht mit perfektem Timing.
00:06:41: Und ja das kann sehr gut funktionieren.
00:06:44: Aber wenn die Kontrolle weg wäre würde dein Vertrauen bleiben oder würde sich alles ganz anders anfühlen?
00:06:54: Nimm dir einen kurzen Moment, wenn du Lust hast und stell dir die Fragen wo vertraust du deinem Hund nicht.
00:07:01: Und bist du ehrlich über den Grund?
00:07:11: Dann wollen wir einmal schauen wovertraut dein Hund dir nicht!
00:07:16: Jetzt wollen wir die Perspektive drehen Denn Vertrauen ist am Ende keine Einbahnstraße.
00:07:23: Unsere Hunde beurteilen bewerten unser Zusammenleben genauso wie wir vielleicht nicht mit Worten, aber mit seinem Nervensystem.
00:07:32: Mit seinen Emotionen und seinem Verhalten.
00:07:36: Und jetzt kannst du mal überlegen ob du Situationen hast im Kopf wo dein Hund dir nicht vertraut?
00:07:45: Dafür kann es bestimmte Anzeichen geben zum Beispiel dass er nicht wirklich kooperiert.
00:07:52: Vielleicht funktioniert vieles Aber es fühlt sich nicht leicht an.
00:07:56: Dein Hund macht mit Aber er macht nicht freiwillig mit, er reagiert aber er orientiert sich nicht wirklich an dir.
00:08:04: Ein anderes Zeichen kann sein dass er in neuen Situationen zwar zu dir schaut aber nicht weil er sich sicher fühlt sondern weil er überprüfen muss was jetzt passiert oder er regelt vielleicht alles selbst.
00:08:21: wenn dein Hund häufig selbst entscheidet wann er reagirt wie er reagert und ob er reagir Dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass er dir diese Entscheidung nicht zutraut.
00:08:36: Ein anderes Zeichen könnte es sein, wenn man selber ein wenig unberechenbar für den Hund ist.
00:08:41: Das ist einer der größten Vertrauenskiller die Unvorhersehbarkeit.
00:08:46: Wenn du heute so reagierst und morgen völlig anders, wenn du einmal total ruhig bleibst und beim nächsten Mal emotional wirst dann lernt dein Hund.
00:08:57: Der Mensch ist nicht berechenbar und ohne Berechenbarkeit kann kein Vertrauen entstehen.
00:09:10: Schauen wir uns einmal die tiefere Ebene von Vertrauen an, was passiert eigentlich im Gehirn?
00:09:16: Vertrauen ist ja am Ende kein Gedanke!
00:09:19: Es ist ein körperlicher Zustand.
00:09:21: im Gehiln deines Hundes gibt es Bereiche, die ständig mitlaufen, die Ständig mitschneiden ob eine Situation sicher ist oder nicht Und hier spielt die sogenannte Ermöckterler eine sehr große und entscheidende Rolle.
00:09:37: Die Ermöckderler ist ein Teil im Gehirn, wenn das Verhalten Sicherheit signalisiert passiert etwas ganz Wichtiges nämlich der Körper bleibt ruhig Der Hund kann denken er kann lernen und Wenn dein Verhalten Stress auslöst Passiert das Gegenteil.
00:09:59: Das heißt, der Hund geht in einen Zustand von Kampfflucht und Kontrolle.
00:10:05: In diesem Zustand kann kein Vertrauen wachsen.
00:10:08: Wir brauchen den ruhigen Zustand, wo der Hund denken kann, wo er lernen kann.
00:10:15: Deshalb ist es notwendig, dass das Verhalten des Menschen Sicherheit ausstrahlt uneinsichtiges Un- oder durch nicht nachvollziehbares Verhalten unsererseits ein Stressgerät und in Kampfflucht oder Kontrolle umschlägt.
00:10:40: Stellen wir uns einmal die Frage, ob denn Vertrauen ohne Kontrolle existieren kann?
00:10:47: Und das ist vielleicht eine der wichtigsten Fragen, ob Vertrauen Ohne Kontrolle existiert!
00:10:55: Die ehrliche Antwort ist Nein und Ja.
00:11:00: Kontrolle kann Vertrauen aufbauen.
00:11:03: Am Anfang braucht es vielleicht Struktur, es braucht klare Abläufe Es braucht Sicherheit.
00:11:11: der Hund muss verstehen was passiert und Kontrolle können daher also helfen Vertrauenaufzubauen.
00:11:21: eine dauerhafte Kontrolle hindert aber den Aufbau von Vertrauen.
00:11:26: das heißt Wenn du nie loslässt, wenn du immer alles steuerst.
00:11:31: Wenn du jedes Verhalten ab sich hast.
00:11:34: Dann gibst du am Ende deinem Hund gar keine Chance Vertrauen zu zeigen.
00:11:40: und Vertrauen bedeutet am Ende immer auch ein kleines Risiko einzugehen.
00:11:47: Und natürlich wenn ich weiß dass ich meinem Hund in einer bestimmten Situation zum Beispiel beim Reh nicht vertrauen kann dann Leine ich ihn nicht einfach ab und probiere mal, ob ich ihm vertrauen kann.
00:12:00: Wenn ich das schon weiß dann muss ich es natürlich absichern.
00:12:04: Aber oft verpasst man den Punkt dass man gut trainiert hat, dass man über Kontrolle Struktur gegeben hat Dass man ein Verhalten aufgebaut hat Und dann traut man sich nicht die Kontrolle wieder gehen zu lassen und zum Beispiel abzuleinen.
00:12:23: wenn der Hund jetzt im Training Jedes Mal abrufbar war und die Schleppleine gar nicht gebraucht hat.
00:12:31: Dann wäre der Moment gekommen zu sagen, jetzt leihne ich auch ab und gebe ihm mal diesen Vertrauensvorschuss, gehe dieses kleine Risiko ein und überprüfe mal ob ich ihm da nicht vertrauen kann.
00:12:44: Das heißt eine dauerhafte Kontrolle.
00:12:46: wenn man die Kontrolle nicht mehr abgibt dann verhindert es den Aufbau von Vertrauen.
00:12:59: Wenn man Vertrauen aufbauen möchte, braucht es ein wenig Unsicherheit.
00:13:04: Das klingt erst mal vielleicht widersprüchlich aber Vertrauen kann immer nur dann entstehen wenn etwas offen ist und gut ausgeht.
00:13:14: Wenn dein Hund also freie entscheiden darf und gute Entscheidungen trifft, dann wächst Vertrauen.
00:13:21: das heißt Vertrauen braucht Unsicherkeit.
00:13:25: Vertrauen können immer nur wenn es gut gehen kann oder nicht.
00:13:31: Und Vertrauen entsteht, umso öfter etwas gut gegangen ist und so öfter der Hund eine gute Entscheidung in unseren Augen getroffen hat.
00:13:43: Es geht aber auch nicht darum alles zu kontrollieren Raum, Vertrauen entstehen zu lassen.
00:14:05: Was kann man also konkret tun?
00:14:08: Schauen wir uns die praktische Umsetzung an wie Vertrauen aufgebaut werden kann.
00:14:14: Zum einen ist es total wichtig dass wir vorhersehbar sind das heißt Wir reagieren klar ruhig und konstant.
00:14:25: wenn wir reagieren reagieren immer gleich.
00:14:28: Es verändert sich nichts und es passiert immer.
00:14:32: Das ist super wichtig, dass der Hund eine Vorhersehbarkeit erkennt.
00:14:37: Dass er einschätzen kann wann passiert was wie es der Rahmen wo kann ich mich bewegen und dann kann Vertrauen entstehen.
00:14:47: das die Grundvoraussetzung das Vertrauen entstehen kann.
00:14:52: Dann im nächsten Schritt erlaubt man kleine Freiheiten nicht alles aber Schritt für Schritt dem Hund immer wieder die Möglichkeit geben, sich richtig zu entscheiden.
00:15:05: Das ist die Phase wo das auch mit Kontrolle abgesichert ist.
00:15:10: aber ich kontrolliere nicht alles und ich falle vor allem nicht in ein konstantes Management.
00:15:17: also zum Beispiel habe ich die Schleppleine am Ende noch in der Hand Und wenn ich jetzt die Schlapplein dazu nutze meinen Hund immer nur von einer falschen Entscheidung abzuhalten Dann ändert sich nichts im Hund und er lernt, nicht gute Entscheidungen zu treffen.
00:15:33: Das heißt wenn ein Reh in der Entfernung am Horizont auftaucht oder ein anderer Hund auftauchte dann lasse ich ihm die Chance richtig zu entscheiden.
00:15:43: Und erst im letzten Schritt würde die Schleppleine den Rahmen nochmal absichern.
00:15:49: Das heisst kleine Freiheiten zu erlauben und gleichzeitig vorhersehbar zu sein sind die ersten zwei Punkte in der praktischen Umsetzung.
00:15:59: Im nächsten lassen wir Fehler zu.
00:16:02: Oft versuchen wir durch Management zu verhindern, dass unsere Hunde sich falsch entscheiden.
00:16:08: Wenn ich aber Fehler nicht zulasse kann kein echtes Vertrauen entstehen.
00:16:14: und als allerletztes und auch sehr wichtig ist bleibt selbst reguliert dein Hund vertraut dir nur wenn du stabil bist Hekte schwürst, wenn du keinen Halt bieten kannst.
00:16:30: Dann wird dein Hund sich nicht an dir orientieren können
00:16:35: bzw.,
00:16:36: wenn er sich an dir Orientiert dann zieht er ja genau das was er gerade auch fühlt hektik kein halt bisschen lost passiert alles ganz schnell oder eben mit management und kontrolle.
00:16:50: und in so einer situation rate ich immer dazu sich selber vorzustellen wie es sich so zu verhalten, wie man sich wünscht, dass sich sein Hund grad verhält.
00:17:03: Und dann habe ich schon mal ganz viele Punkte vor allem dieser Punkt selbst reguliert zu bleiben, das der Hund sich wirklich ein Vorbild an mir nehmen kann, dass er sich wirklich an mir orientieren kann.
00:17:16: Also in der praktischen Umsetzung bedeutet das wir sollen oder wir sind vorhersehbar Wir erlauben kleine Freiheiten Und wir bleiben selbst bei uns und wir bleiben selber reguliert.
00:17:36: Vertrauen ist nichts, was man einmal aufbaut und dann für immer hat!
00:17:42: Es entsteht jeden Tag neu in kleinen Momenten, in größeren Momenten In jeder Reaktion, in jede Entscheidung und in jeder Situation die du gemeinsam mit deinem Hund erlebst.
00:17:58: Und vielleicht ist die wichtigste Frage gar nicht vertraut mein Hund mir?
00:18:02: Sondern bin ich jemand, dem mein Hund vertrauen kann.
00:18:07: Und genauso bin ich bereit meinem Hund wirklich zu vertrauen auch wenn nicht alles kontrollieren kann.
00:18:16: Beobachte euch doch mal beim nächsten Spaziergang!
00:18:20: Nicht funktioniert alles perfekt sondern wie fühlt sich eure Verbindung an?
00:18:26: Vielleicht hatte ich der Podcast ein wenig zum Nachdenken animiert und vielleicht hast du noch mal einen anderen Blick auf das Vertrauen, was Vertrauen bedeutet.
00:18:43: Und ob du wirklich deinem Hund vertraust!
00:18:52: Danke dass du zugehört hast.
00:18:54: wenn dir diese Folge gefallen hat teils sie gerne oder nimm an den Gedanken daraus mit in deinen Alltag bis zum nächsten Mal.
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