Folge 25 - Vor- und Nachteile von Welpenspielgruppen
Shownotes
Bowlby, John: Attachment and Loss; Bradshaw, John: Dog Sense; Gácsi, Márta: Human-Dog Relationship Studies; Horowitz, Alexandra: Inside of a Dog; Miklósi, Ádám: Dog Behaviour, Evolution and Cognition; Panksepp, Jaak: Affective Neuroscience; Range, Friederike und Virányi, Zsófia: Social Cognition in Dogs; Sapolsky, Robert: Why Zebras Don’t Get Ulcers; Schöning, Barbara: Verhaltensentwicklung beim Hund; Topál, József: Attachment Behavior in Dogs; Zimen, Erik: Der Hund – Abstammung, Verhalten, Mensch und Hund.
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00:00:04: Hallo und herzlich willkommen zu deiner neuen Podcast-Folge von VorLuckyPause Inside.
00:00:28: Heute geht es um das Thema, was fast jeder Hundehalter kennt und gleichzeitig unglaublich kontrovers diskutiert wird – Welpenspielgruppen!
00:00:44: Für die einen sind sie ein Muss, ein fester Bestandteil des Staats in das Hundeleben.
00:00:51: Für die anderen sind sie kritisch überbewertet oder sogar problematisch angesehen.
00:00:58: und genau deshalb schauen wir heute nicht nur oberflächlich drauf sondern einmal aus einer ganz ehrlichen Perspektive, die beide Seiten beleuchtet.
00:01:09: was bringen Welpenspielgruppen wirklich?
00:01:12: Wo liegen ihre Vorteile Und wo werden sie vielleicht sogar zum Risiko?
00:01:17: Und ganz wichtig, was braucht dein individueller Hund wirklich.
00:01:29: Wenn ein Welpe einzieht steht fast sofort eine Entscheidung im Raum gehe ich in einer Welpenspielgruppe und ganz oft wird diese Entscheidung gar nicht so bewusst getroffen ist es eher ein das macht man halt.
00:01:44: aber Was passiert dort eigentlich wirklich und ist es das, was mein Hund braucht?
00:01:58: Eine Welpenspielgruppe soll eigentlich einen Ort darstellen an dem junge Hunde Sozialkontakte haben spielen können lernen mit anderen Hunden umzugehen.
00:02:12: Und das klingt erstmal total sinnvoll!
00:02:16: Denn Hunde sind soziale Lebewesen und Welpen haben einen Bedürfnis Nach Kontakt.
00:02:23: Aber hier beginnt schon die erste wichtige Differenzierung, Sozialkontakt ist nicht automatisch gleichzusetzen mit freiem Spiel.
00:02:35: Der Sozialkontakt bedeutet zunächst einmal das Hunde miteinander kommunizieren und soziale Erfahrungen sammeln können – dazu gehört beispielsweise Ein angemessenes Begrüßungsverhalten, sich gegenseitig beobachten, zusammenspazieren gehen.
00:02:53: Ein höflicher Austausch von Informationen ein gemeinsames Schnüffeln, gemeinsames Ruhen in Anwesenheit von anderen Hunden.
00:03:03: Ein guter Sozialkontakt muss nicht zwangsläufig mit rennen Toben oder Raufen verbunden sein.
00:03:10: Viele sozialkompetente Hunde verbringen den Großteil ihrer Begegnungen mit einer ganz ruhigen Kommunikation.
00:03:19: Das freie Spiel dagegen ist eine besondere Form der sozialen Interaktion, dabei zeigen die Hunde spieltypische Verhaltensweisen wie Spielaufforderungen, Rennspiele, Rollenwechsel beim Jagen, spielerisches Raufen gegenseitiges Anstupsen.
00:03:36: Und damit freies Spiel für beide Hunde angenehm bleibt, sollten sie ähnliche Interessen haben.
00:03:43: Die Spielweisen sollten zusammenpassen und sie sollten ein vergleichbares Aktivitätsniveau haben.
00:03:50: Auch sollte das Spiel von Pausen unter einer guten Selbstregulation geprägt sein.
00:03:57: Dann sind wir schon an einem ganz wichtigen Punkt denn nicht jeder Hund möchte mit jedem anderen Hund spielen.
00:04:07: Viele erwachsene Hunde bevorzugen einen ganz kurzen Sozialkontakt und gehen anschließend einfach ihrer Wege.
00:04:14: Das ist völlig normal und kein Zeichen von einer Unverträglichkeit, ein Hund kann deshalb sozial sehr kompetent sein auch wenn er wenig Interesse am Spiel mit fremden Hunden zeigt.
00:04:27: Umgekehrt bedeutet ein häufiges Spiel nicht automatisch, dass der Hund über gute soziale Fähigkeiten verfügt.
00:04:34: Manche Hunde geraten im Spiel schnell in Stress, ignorieren Signale ihres Gegenübers oder sind auch kaum noch ansprechbar.
00:04:49: Schauen wir uns zuerst einmal die Vorteile von Welpenspielgruppen an, denn gut geführte Welpendspielgrupp können tatsächlich sehr wertvoll sein!
00:05:00: Die Welpen lernen erst einmal oder machen erst einmal soziale Lernerfahrungen.
00:05:07: Sie lernen die Körpersprache zu lesen, die Signale von anderen Hunden ausgehen können und üben sich in der Kommunikation.
00:05:17: Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil von Entwicklung.
00:05:21: Die Hunde sind immer Spezialisten für das was sie bis dahin gesehen haben.
00:05:26: Das sind meistens die Geschwisterwelpen Also die Welpen, die mit ihnen groß geworden sind.
00:05:33: Und für andere Hunderassen können sie oft noch nicht so viel anfangen.
00:05:38: Die müssen Sie erst kennenlernen.
00:05:40: und da gibt es ja ganz viele unterschiedliche Unterschiede im äußeren, also der eine Hund hat Schlappohren, der andere Hund hat Steeohren Der nächste hat aufgestellte Nackenhaare Falten im Gesicht oder keine Falten in Gesicht kurze Nase, lange Nase stehende Route genetisch also von sich aus.
00:06:05: Da gibt es so viele Unterschiede, dass Welpen da einfach ganz viele verschiedene Hunderassen sehen müssen bzw kennenlernen sollen.
00:06:15: Im nächsten Schritt üben sie sich in der Frustrationstoleranz.
00:06:20: Nicht jeder Spielkontakt läuft perfekt und genau darin liegt ein Lernprozess.
00:06:25: Der Welpe muss lernen Nicht jede Situation kontrollieren zu können, mal etwas nicht zu dürfen.
00:06:33: Gerade erwachsene Hunde kommunizieren da ganz viel.
00:06:37: Ich habe es jetzt mit Koda und meinem Welpen.
00:06:40: Lucky macht mit Kuda ganz viele Frustrationseinheiten.
00:06:45: Es ist total spannend zu beobachten in der Beanspruch einfach irgendwann ein Spielzeug Und Koda, der kleine Welpe darf das nicht haben.
00:06:54: Und in dem Moment, wo Koda damit fein ist und sagt dann möchte ich es jetzt gerade auch gar nicht mehr.
00:07:01: Dann gibt das wieder frei und kommuniziert es total deeskalierend auf eine ganz wohlwollende Art und Weise.
00:07:09: Und dann haben wir eine Umweltgewöhnung.
00:07:11: Es gibt neue Orte, neue Hunde, neue Reize.
00:07:14: Das alles läuft natürlich mit.
00:07:17: Dann lernen sie lernt der Mensch also der Hundehaltende seinen Hund besser kennen.
00:07:25: Man kann beobachten, wie reagiert er?
00:07:27: Wie kommuniziert er?
00:07:29: Wo sind seine Grenzen?
00:07:31: Wo braucht der vielleicht auch Unterstützung?
00:07:33: und jetzt kommt der entscheidende Teil.
00:07:36: diese Vorteile entstehen immer nur unter bestimmten Bedingungen.
00:07:48: was oft unterschätzt wird ist dass Welpenspielgruppen nicht automatisch gut sind oder werden.
00:07:55: Ganz oft entsteht in Welpenspielgruppen Überforderung.
00:08:00: Viele Gruppen sind zu groß oder zu laut, unstrukturiert und die Welpen passen nicht zusammen.
00:08:08: Ein Welpe kann damit ganz schnell über Vorderzeichen und Überforderungen führt nicht zum Lernen sondern zu Stress.
00:08:16: Dann passiert oft auch eine falsche Sozialisierung.
00:08:20: ein häufiger Irrtum ist je mehr Kontakt desto besser Und da ist das Gegenteil auf der Fall.
00:08:26: Der Welpe lernt nicht automatisch soziales Verhalten, wenn er mit vielen Hunden zusammenkommt.
00:08:32: Er lernt auch Drängeln über Gehen von Grenzen unsicheres oder aggressives Verhalten und damit einhergehen gehen negative Erfahrungen.
00:08:43: Ein einziger schlechter Moment reicht in der Regel nicht immer aus um also es muss schon einen sehr gravierender Moment gewesen sein Aber wenn sich solche Momente wiederholen, dann kann es ausreichen damit grobes Spiel entsteht.
00:09:00: Dass andere Hunde bedrängt werden vielleicht keine Rückzugsmöglichkeit mehr gibt und das Nervensystem des kleinen Welpen speichert dann andere Hunden bedeutet Stress Und Es sind oft oder ist oft kein individuelles Lernen möglich.
00:09:17: oft werden alle Welpen gleich behandelt das heißt Sie sind unterschiedlich alt, sie sind unterschiedliche sensibel.
00:09:23: Sie haben unterschiedliche Vorerfahrungen.
00:09:26: Sie sind unterschließlich sozial und was für den einen gut ist kann für den anderen viel zu viel sein.
00:09:33: Und das führt eigentlich zum größten Risiko von Welpen Spielgruppen.
00:09:39: Die fehlende Anleitung in manchen Gruppen Passiert einfach.
00:09:43: die Hunde machen das unter sich aus.
00:09:47: Vielleicht sind es auch viel zu viele Welpen, dass ein Trainer gar nicht mehr kontrollieren kann und gar nicht alles auf dem Schirm hat.
00:09:54: Und die Menschen greifen immer nur dann ein wenn das wirklich eskaliert.
00:09:58: aber lernen braucht Begleitung Lernen braucht Zeit und lernen braucht wirklich die Möglichkeit hinzuschauen.
00:10:08: was lernt mein Welpe da?
00:10:11: Wenn es zu schlechten Erfahrungen kommt, weil einfach Hunde unterschiedlich sind.
00:10:18: Weil sie da ein grüberes Spiel hat und der andere wird bedrängt.
00:10:22: Und ich sehe das nicht.
00:10:24: Kann ich den bedrängten Hund auch gar nicht schützen?
00:10:28: Also es sind ja immer zwei.
00:10:30: Der eine Hund, der bedringt wird braucht eigentlich Rückendeckung dass er lernt sich dagegen auch da auch Grenzen zu setzen.
00:10:38: und am Ende braucht er auch Schutz vom Menschen.
00:10:41: Und der Hund, der bedrängt soll ja auch nicht lernen andere Hunde zu bedrängen.
00:10:47: Also es ist immer ein Lernen auf beiden Seiten.
00:10:50: jeder macht seine Erfahrung und beide sind nicht von Vorteil.
00:10:54: also lernen braucht Begleitung.
00:11:03: wenn man sich jetzt einmal anschaut in welcher Entwicklungsphase der Welpe da gerade steht und was vielleicht in der Entwicklung des Gehirns des Welpen passiert denn befindet sich der Welpe in einer sehr sensiblen Entwicklungsphase, das heißt sein Gehirn ist besonders aufnahmefähig.
00:11:22: Das bedeutet Erfahrungen wirken stärker und vor allem nachhaltiger in dieser Zeit.
00:11:29: wenn ein Welpe positive Erfahrungen macht dann wird Sicherheit verankert die Neugier wächst und Vertrauen er kann entstehen Wenn er in dieser Zeit negative Erfahrungen macht, aktiviert sich das Stresssystem.
00:11:45: Die Unsicherheit steigt.
00:11:46: Das Verhalten wird entsprechend angepasst und das Problem ist dass der Körper nicht zwischen Training und Erfahrung unterscheidet.
00:11:56: Er lernt einfach immer!
00:11:58: Und das ist was für uns Menschen oft schwierig in der Differenzierung ist.
00:12:03: Wir haben oft das Gefühl wenn wir trainieren machen wir irgendetwas besonders gut.
00:12:09: Damit soll der Hund etwas lernen.
00:12:13: Was wir oft vergessen, ist dass unsere Hunde vierundzwanzig Stunden am Tag lernen.
00:12:17: Das heißt sie schneiden alles mit.
00:12:19: Sie kriegen alles mit ob er gut drauf sind oder schlecht drauf sind.
00:12:22: Sie analysieren unsere Stimmung und unsere Körpersprache.
00:12:25: Das heisst ... Der Hund lernt nicht nur wenn wir trainieren sondern der Hund lerne immer.
00:12:30: Nicht nur der Welpe sondern auch Erwachsenehunde.
00:12:33: Und das ist beim Welpen... eben auch so.
00:12:37: und vor dem Hintergrund dieser sensiblen Entwicklungsphase lernt er sehr nachhaltig.
00:12:50: Und am Ende ist Spiel nicht gleich Spiel, nicht jedes Spiel ist gutes Spiel.
00:12:56: Gutes Spiel erkennst du v.a.
00:12:58: an.
00:12:58: den Rollen wechseln das heißt die Hunde wechselt ab.
00:13:02: mal ist da eine vorne, mal ist der andere vorne Mal hat man das Gefühl dass der eine mehr etwas sagen hat dann hat der andere wieder mehr das sagen.
00:13:12: Es gibt Pausen, die Hunde machen Pausenschütteln sich, machen mal kurz was anderes haben insgesamt eine lockere Körpersprache.
00:13:22: es ist alles sind übertriebene Bewegungen.
00:13:26: sie haben oft so ein Spielgesicht und das Spiel was ungesund oder nicht förderlich ist Es geprägt von einseitiger Dominanz.
00:13:39: Immer einer jagt den anderen, immer rennt einer hinter dem anderen her.
00:13:44: Immer ist einer der mehr die Führung hat.
00:13:51: Insgesamt hat man das Gefühl, dass die Hunde unter einem hohen Stresslevel sind.
00:13:55: Pausen fehlen – sie kommen gar nicht drin vor und finden gar nicht mehr aus dem Spiel raus.
00:14:01: Und genau hier liegt ein Risiko in vielen Gruppen wenn das Spiel nämlich nicht wirklich beobachtet, angeleitet oder gesteuert wird.
00:14:16: Und am Ende ist vielleicht die wichtigste Frage gar nichts ob ein Hund in einer Welpenspielgruppe soll sondern welche Erfahrungen ich möchte dass mein Hund dort macht.
00:14:27: also welche Erfahrung möchte ich meinem Hund in eine Welpendspielgruppen ermöglichen?
00:14:33: Denn Qualität ist wichtiger als Quantität.
00:14:37: Welpen haben lieber wenige gute Kontakte, als viele schlechte oder viele und dabei sind nicht förderliche.
00:14:48: Oder es sind Kontakte wo der Welpen Dinge lernt die ich eigentlich gar nicht möchte das er lernt.
00:14:55: Und wenn man sich da unsicher ist gibt es viele Alternativen für die klassische Welpenspielgruppe.
00:15:03: Es gibt gezielte Einzelkontakte kleine gut geführte Gruppen, es gibt Begegnungstraining statt freiem Spiel.
00:15:13: Da gibt es mittlerweile sehr viel Angebot und oft ist da weniger deutlich mehr.
00:15:19: Und auf was mir immer wichtig ist, ist das eigene Bauchgefühl.
00:15:26: Dein Gefühl zählt!
00:15:28: Wenn du denkst oder wenn du merkst dass dein Hund überfordert ist, dass du unsicher bist, dass sich eine Situation für dich nicht gut anfühlt dann ist das relevant und zwar sehr relevant, weil man dem eigenen Bauchgefühl oft zu wenig traut.
00:15:45: Und da möchte ich wirklich dir nahe legen auf das eigene Bauch Gefühl zu hören gerade wenn der Hund in einem Kontakt mit einem anderen Hund ist.
00:15:59: Da hat man oft ein ganz gutes Gefühl ob das Spiel jetzt noch gut ist oder ob man vielleicht da auch eine Pause braucht.
00:16:08: Und am Ende sind Welpenspielgruppen weder gut noch schlecht, sie sind ein Werkzeug.
00:16:14: wie jedes Werkzeug kommt es am Ende darauf an wie man es nutzt, wie man ist gestaltet und wie man das begleitet.
00:16:27: Am Ende wird es gar nicht darum gehen, ob du eine Welpenschmielgruppe besuchst oder nicht sondern darum wie bewusst du hinschaust Was passiert mit deinem Hund, was lernt er wirklich und fühlt es sich langfristig richtig an?
00:16:42: Denn genau dort entsteht gute Entwicklung nicht im Tun sondern im Bewussten Beobachten.
00:16:50: Vielen Dank dass du zugehört hast das Du wieder dabei warst und ich freue mich auf die nächste Folge.
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